Schwere Räder: Wo Sie sich im Werkstattalltag unnötiges Heben sparen können
Rad vom Fahrzeug abnehmen, auf dem Boden absetzen, auf den Wagen heben. Am nächsten Arbeitsplatz wieder herunter, später zurück auf den Wagen und schließlich ins Regal. Je nach Betrieb sieht die Reihenfolge anders aus. Die Frage bleibt dieselbe: Welche dieser Bewegungen braucht der Arbeitsgang wirklich – und welche entstehen nur, weil die Übergabe dazwischen nicht passt?
Gerade bei schweren Rädern merkt das Team jeden zusätzlichen Griff. Und wenn in der Saison ohnehin Leute fehlen, ist es wenig hilfreich, wenn für eine alltägliche Übergabe regelmäßig ein zweiter Mitarbeiter seine Arbeit unterbrechen muss. Wer das Räderhandling erleichtern will, sollte deshalb einen Radsatz auf seinem tatsächlichen Weg begleiten.
In diesem Artikel
- Das einzelne Rad ist nur ein Teil der Aufgabe
- Einen Radsatz begleiten – vom Fahrzeug bis zum Lager und zurück
- Dort hinsehen, wo die Räder wieder auf dem Boden landen
- Das Hilfsmittel muss den ganzen betreffenden Abschnitt bewältigen
- Eine einfache Notiz für jede Übergabe
- Mit einem überschaubaren Abschnitt anfangen
Das einzelne Rad ist nur ein Teil der Aufgabe
Ob sich ein Rad gut handhaben lässt, hängt nicht allein von seinem Gewicht ab. Ebenso wichtig ist, wo es aufgenommen wird, wie weit es bewegt werden muss und wo es danach wieder landet. Ein Rad aus Bodennähe aufzunehmen ist eine andere Aufgabe als eine Übergabe auf passender Arbeitshöhe.
Im Tagesablauf kommen diese Situationen mehrfach vor. Dazu gehören das Aufrichten, Halten, Tragen, Absetzen und Umsetzen. Auch Ziehen und Schieben sind körperliche Arbeit. Ein Wagen kann das Tragen übernehmen; wie leicht er sich tatsächlich bewegen lässt, muss auf dem vorhandenen Weg geprüft werden.
Schauen Sie deshalb über den einzelnen Arbeitsplatz hinaus. Wenn ein Hilfsmittel nur eine kurze Strecke erleichtert, davor und danach aber neue Handgriffe nötig werden, bleibt ein wesentlicher Teil der Arbeit bestehen.
Einen Radsatz begleiten – vom Fahrzeug bis zum Lager und zurück
Nehmen Sie einen repräsentativen Auftrag aus Ihrem Alltag. Gehen Sie mit dem Mitarbeiter mit, der ihn bearbeitet. Beobachten Sie auch den Rückweg zur Montage: Die Schwierigkeiten bei der Einlagerung müssen nicht dieselben sein wie bei der Entnahme.
Eine mögliche Folge ist:
Fahrzeug → Transport → je nach Auftrag Reinigung, Prüfung oder weitere Bearbeitung → Einlagerung → Entnahme → Bereitstellung → Fahrzeug.
Nicht jeder Satz durchläuft alle Stationen. Entscheidend ist Ihr eigener Ablauf. Halten Sie an jeder Übergabe fest, was mit dem Rad tatsächlich passiert: Wird es angehoben, gerollt, gekippt oder getragen? Wird es zwischendurch abgestellt? Wofür wird eine zweite Person gebraucht?
Fragen Sie dabei nach dem Grund. „Das machen wir immer so“ ist ein guter Anlass, genauer hinzusehen. Vielleicht fehlt ein geeigneter Ablageplatz. Vielleicht passt der Wagen nicht an die Maschine. Oder er muss schon weiter, obwohl der Auftrag noch nicht fertig ist.
Dort hinsehen, wo die Räder wieder auf dem Boden landen
Ein Wagen bringt die Räder zum nächsten Arbeitsplatz. Dort können sie aber nicht direkt übernommen werden. Also werden sie zunächst auf dem Boden abgesetzt und für den nächsten Schritt wieder angehoben. Solche Unterbrechungen können selbst auf kurzen Wegen auftreten.
Prüfen Sie an dieser Stelle die Übergabe: Kann das Rad auf einer geeigneten Höhe übernommen werden? Passt die Aufnahme zum Arbeitsmittel? Lässt sich ein unnötiger Abstellschritt vermeiden? Dazu gehören die sichere Auflage, die passende Ausrichtung und ausreichend Bewegungsraum. Ähnliche Höhen allein machen noch keine geeignete Übergabe.
Ein weiteres Beispiel ist die Auslagerung: Der Radsatz wird aus dem Regal genommen, bis zur Abholung vorübergehend abgestellt und später erneut verladen. Hier kann der Engpass in der Bereitstellung liegen. Vielleicht fehlt ein geeignetes Transportmittel zum richtigen Zeitpunkt. Dann hilft es wenig, ausschließlich die Entnahme aus dem Regal zu verbessern.
Das Hilfsmittel muss den ganzen betreffenden Abschnitt bewältigen
Für den Transport, das Anheben, die Entnahme aus dem Regal und die Übergabe an einen Arbeitsplatz werden unterschiedliche Funktionen gebraucht. Ein Transportwagen löst nicht automatisch die Entnahme in der Höhe. Ein Hebegerät hilft nur dort, wo es den Lagerplatz erreicht und das Rad auch wieder passend übergeben kann.
Gehen Sie die vorgesehene Strecke deshalb vor einer Entscheidung vollständig durch. Dabei zählt die tatsächliche Beladung. Ein leerer Wagen lässt sich anders bewegen als ein beladener.
- Passt das Arbeitsmittel zu den vorkommenden Rädern, zur vorgesehenen Last und zur Art der Aufnahme?
- Erreicht es die vorgesehenen Lagerplätze und Arbeitsstationen?
- Sind Gang, Kurven, Türen und Rangierflächen auf der gesamten Strecke geeignet?
- Wie verhält es sich auf dem vorhandenen Boden, an Schwellen oder auf Steigungen?
- Kann der nächste Arbeitsplatz die Räder übernehmen, ohne dass ein neuer unnötiger Hebeschritt entsteht?
- Ist das Arbeitsmittel dann verfügbar, wenn es im Ablauf gebraucht wird?
Gerade im bestehenden Lager gehören Regal, Gang und Bediengerät in dieselbe Betrachtung. Aus der verfügbaren Gangbreite allein ergibt sich noch nicht, ob eine Lösung funktioniert. Entscheidend sind auch Bewegung, Beladung, Entnahmesituation und die erforderlichen Sicherheitsabstände des jeweiligen Systems.
Eine einfache Notiz für jede Übergabe
Für die erste Bestandsaufnahme genügt eine wiederholte Notiz pro Übergabe. Schreiben Sie konkret auf, was Sie beobachten. So bleibt nachvollziehbar, welcher Handgriff wofür nötig ist.
- Ort und Arbeitsgang: Wo befindet sich das Rad, und wohin muss es als Nächstes?
- Heutige Bewegung: Was wird angehoben, getragen, geschoben oder abgesetzt? Von welcher Aufnahmehöhe zu welcher Übergabehöhe?
- Zusätzlicher Aufwand: Wo wird erneut aufgenommen, umgeladen oder auf Hilfe gewartet?
- Grund: Fehlen Hilfsmittel, Platz, eine passende Übergabe oder eine klare Reihenfolge?
- Mögliche Änderung: Was könnte den zusätzlichen Handgriff vermeiden, und was muss dafür geprüft werden?
Ein fiktiver Eintrag könnte so aussehen: „Vor der Reinigung: vom Wagen auf den Boden, später vom Boden in die Aufnahme. Grund: Wagen wird inzwischen anderswo gebraucht. Prüfen: geeignete Bereitstellung oder passende direkte Übergabe.“ Das beschreibt zunächst die Aufgabe. Welches Arbeitsmittel sie sinnvoll löst, wird daran anschließend entschieden.
Mit einem überschaubaren Abschnitt anfangen
Wählen Sie mit dem Team einen Abschnitt aus, in dem sich zusätzliche Handgriffe häufig wiederholen. Zum Beispiel die Übergabe an die Bearbeitung oder den Weg vom Regal zum Bereitstellplatz. Legen Sie fest, was konkret besser werden soll: ein erneutes Aufnehmen vermeiden, Tragen durch geeigneten Transport ersetzen oder einen Arbeitsplatz ohne Umweg erreichen.
Prüfen Sie eine geplante Änderung vor dem Einsatz auf Eignung und sichere Handhabung. Erproben Sie die geeignete Lösung anschließend im tatsächlichen Ablauf. Danach vergleichen Sie denselben Abschnitt erneut: Welche Bewegungen entfallen? Entsteht woanders neue Arbeit? Kommt das Team mit der Lösung auch bei der üblichen Auslastung zurecht?
Wenn Sie zusätzlich Zeiten erfassen, verwenden Sie Ihre eigenen Werte und vergleichbare Aufträge. Einzelne günstige Abläufe reichen nicht, um daraus eine allgemeine Personal- oder Zeitersparnis abzuleiten.
Beginnen Sie dort, wo im Alltag immer wieder dieselbe unnötige Bewegung anfällt. Wird diese Übergabe besser gelöst, lässt sich der nächste Abschnitt gezielt anschließen. So entsteht Schritt für Schritt ein Ablauf, in dem schwere Räder seltener von Hand aufgenommen werden müssen.
Sie möchten das Räderhandling in Ihrem Betrieb verbessern? Wir prüfen mit Ihnen die betroffenen Wege, Lagerplätze und Übergaben und welche Hilfsmittel dazu passen.
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Fachquellen: DGUV: Technische Hilfsmittel zum Bewegen von Lasten · Tätigkeiten mit manueller Lastenhandhabung