Ratgeber › Regalfeldbreite für Reifen und Räder
RÄDERLAGER PLANEN
Wie breit muss ein Regalfeld für Reifen und Räder sein?
Nicht die Zahl im Katalog entscheidet, sondern der tatsächliche Räderbestand. Wer Reifenbreiten, Mischbereifung und Handling-Luft sauber auswertet, verhindert zu enge Felder und unrealistische Kapazitätsangaben.
Ein Regalfeld ist nicht automatisch breit genug, nur weil auf einem Produktfoto acht Reifen nebeneinander stehen.
Entscheidend ist auch nicht allein die angegebene Außenbreite des Regals. Für eine belastbare Planung müssen die tatsächlich nutzbare Feldbreite, die realen Radbreiten im Lagerbestand und die notwendige Luft zum Ein- und Auslagern zusammenpassen.
Dieser Beitrag vertieft einen besonders wichtigen Teil der Räderlagerplanung: die Frage, wie breit ein Feld wirklich sein muss, damit die versprochene Kapazität auch im Arbeitsalltag erreichbar bleibt.
Reifenbreite ist nicht gleich benötigte Lagerbreite
Die erste Zahl einer Reifendimension bezeichnet die nominelle Reifenbreite. Bei 245/45 R19 sind das beispielsweise 245 Millimeter. Diese Zahl darf nicht einfach mit der gewünschten Anzahl der Räder multipliziert werden.
Für die Lagerplanung kommen weitere Anteile hinzu:
- technische Abweichungen zwischen Nennmaß und tatsächlicher Reifenbreite,
- eine mögliche Felgenschutzrippe oder ein geringfügiger Felgenüberstand,
- seitliche Luft, damit Räder ohne Klemmen ein- und ausgelagert werden können,
- gegebenenfalls Platz für Trenn- oder Führungselemente.
Planungslogik: benötigte Feldbreite = Summe der tatsächlichen Radbreiten + technische Reserve + Handling-Luft + Platz für Trenn- und Führungselemente.
Die Zuschläge sind kein allgemeingültiger Normwert. Sie müssen zum Räderbestand, zum Regalsystem und zum vorgesehenen Arbeitsablauf passen.
Ein konkretes Rechenbeispiel
In einer aktuellen Kinesto-Auswertung wurde für ein Rad mit 245 Millimetern Nennbreite ein Planungsmaß von rund 270 Millimetern angesetzt. Darin waren eine technische Breitenreserve, ein kleiner Zuschlag für Schutzrippe beziehungsweise Felgenüberstand und zehn Millimeter Handling-Luft enthalten.
Ein Regalfeld mit rund 1.900 Millimetern Nutzbreite ist dafür deutlich zu schmal. Ein Feld mit 2.250 Millimetern nutzbarer Breite bietet dagegen noch etwas Spiel. Trennelemente benötigen zusätzlichen Platz.
Außenmaß, Balkenlänge und lichte Nutzbreite sind verschiedene Werte
- Das Außenmaß umfasst die gesamte Konstruktion einschließlich Stützen oder Rahmen.
- Die Balkenlänge beschreibt die verwendete Traverse beziehungsweise den Tragbalken.
- Die lichte Nutzbreite ist der Raum, der den Reifen tatsächlich zur Verfügung steht.
Diese Werte sind nicht zwangsläufig identisch. Ein BMT-Räderregal mit drei Ebenen und 2.000 Millimetern Außenbreite besitzt beispielsweise eine Nutzbreite von etwa 1.890 Millimetern. Acht Räder mit jeweils 240 Millimetern Platzbedarf benötigen bereits 1.920 Millimeter – noch ohne zusätzliche Luft.
Genau hier entstehen viele unrealistische Kapazitätsversprechen: Eine nominelle Feldbreite wird durch eine angenommene Reifenbreite geteilt, ohne die tatsächliche Nutzbreite und den Platz für das Handling zu berücksichtigen.
Warum ein 2-Meter-Feld heute schnell zu schmal wird
Zwei Meter Feldbreite wirken zunächst großzügig. Bei aktuellen Pkw- und SUV-Rädern kann dieses Maß jedoch knapp werden:
- acht Räder mit 235 Millimetern Breite: 1.880 Millimeter,
- acht Räder mit 240 Millimetern Breite: 1.920 Millimeter,
- acht Räder mit 245 Millimetern Breite: 1.960 Millimeter.
Diese Werte enthalten noch keine technische Reserve und keine Handling-Luft. Besitzt das Regal statt 2.000 Millimetern nur 1.890 Millimeter tatsächliche Nutzbreite, reicht selbst die erste Rechnung nur auf dem Papier.
Was 2,25 Meter in der Praxis verändern
Ein Feld mit 2.250 Millimetern nutzbarer Breite schafft deutlich mehr Spielraum. Acht Räder mit einem Planungsmaß von 270 Millimetern benötigen 2.160 Millimeter. Damit bleiben 90 Millimeter für die Verteilung im Feld.
Das macht 2,25 Meter für viele gemischte Pkw-Bestände zu einem belastbaren Ausgangspunkt. Eine Garantie für acht beliebig breite Räder ist das trotzdem nicht. Bei sehr breiten SUV-Rädern, Mischbereifung oder zusätzlichen Trennelementen muss weiterhin gerechnet werden. Ein Beispiel für ein passendes Systembauteil ist der F1-Tragbalken mit 2.250 Millimetern Länge.
Wann 2,50 oder 2,70 Meter sinnvoll werden
Breitere Felder können unterschiedliche Radbreiten besser ausgleichen. Sie erleichtern die Mischbelegung und verringern das Risiko, dass wenige besonders breite Radsätze eine ansonsten passende Belegung blockieren.
| Nutzbare Feldbreite | Räder à 270 mm | Einordnung |
|---|---|---|
| 1.890 mm | 7 | Acht breite Räder passen nicht. |
| 2.250 mm | 8 | Für viele aktuelle Mischbestände ein sinnvoller Ausgangspunkt. |
| 2.500 mm | 9 | Mehr Spielraum für wechselnde Breiten. |
| 2.700 mm | 10 | Kann fünf passende Radsätze je Ebene ermöglichen. |
Breiter ist jedoch nicht automatisch besser. Mit wachsender Spannweite sinkt bei vielen Regalsystemen die zulässige Fachlast. Beim F1-System tragen korrekt montierte Tragbalkenpaare bei gleichmäßig verteilter Last beispielsweise 360 Kilogramm bei 2.250 Millimetern, 300 Kilogramm bei 2.500 Millimetern und 250 Kilogramm bei 2.700 Millimetern Länge.
Die Feldbreite muss daher immer gemeinsam mit Radgewicht, Fachlast, gewünschter Kapazität und Raumraster betrachtet werden.
Die Saisonfalle: Winter passt, Sommer nicht
Im Sommer befinden sich die Winterräder im Lager; im Winter liegen dort die Sommerkompletträder. Sommerbereifungen sind bei vielen Fahrzeugen breiter als die zugehörigen Winterbereifungen. Ein Feld kann deshalb im Sommer ordentlich wirken – und beim Einlagern der breiteren Sommerräder im Winter plötzlich zu eng werden.
Für feste Lagerplätze sollte grundsätzlich der breitere der beiden Radsätze maßgeblich sein. Bei Mischbereifung ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Breiten besitzen können. Entscheidend ist die Breitenkombination des vollständigen Radsatzes.
Einfach oder doppelt tief: Was ändert sich bei der Feldbreite?
Ob ein Regal einfach oder doppelt tief ausgeführt wird, verändert in erster Linie die Tiefe und den Zugriff. Für die Feldbreite bleibt die Breite der eingelagerten Räder maßgeblich.
Bei doppelt tiefer Lagerung werden je Radsatz in der Regel zwei Räder vorn und zwei dahinter angeordnet. Zwischen benachbarten Radsätzen kann ein Trenn- oder Führungselement sinnvoll sein. Dieses verbessert Zuordnung und Führung, kostet aber zusätzliche Breite. Die Entscheidung lautet deshalb nicht nur: „Wie viele Räder passen rechnerisch hinein?“, sondern auch: „Wie sollen sie im Alltag getrennt, gefunden und bewegt werden?“
Praxisbeispiel: Der reale Bestand kippt die Systementscheidung
Für die Planung eines größeren Räderlagers wurden 1.089 Radsätze aus dem tatsächlichen Lagerbestand ausgewertet. Berücksichtigt wurden Vorder- und Hinterachse, Mischbereifung, technische Reserven und eine knappe Handling-Zugabe.
- 59 Radsätze lagen bei höchstens 230 Millimetern Platzbreite je Rad,
- 98 Radsätze lagen zwischen 231 und 240 Millimetern,
- 932 Radsätze – 85,6 Prozent des Bestands – lagen über 240 Millimetern.
Ein zunächst betrachtetes 2-Meter-System mit rund 1.900 Millimetern Nutzbreite hätte acht Räder der dominierenden Breitenklasse nicht aufgenommen. Die Planung wurde deshalb auf 2,25-Meter-Felder umgestellt. Die Entscheidung entstand nicht aus einer allgemeinen Vorliebe für ein System, sondern aus den realen Raddaten des Kunden.
So wird die richtige Feldbreite ermittelt
1. Lagerbestand exportieren
Ideal ist eine Liste mit den Reifendimensionen für Vorder- und Hinterachse. Namen, Kennzeichen und andere personenbezogene Angaben werden dafür nicht benötigt.
2. Daten bereinigen
Fehleingaben, unvollständige Dimensionen und unplausible Werte müssen vor der Berechnung erkannt werden. Mischbereifungen dürfen nicht versehentlich wie vier gleich breite Räder behandelt werden.
3. Reale Planungsbreite bilden
Zur Nennbreite kommen eine angemessene technische Reserve, gegebenenfalls Felgenüberstand sowie Handling-Luft. Für einen festen Lagerplatz wird die breitere Saison berücksichtigt.
4. Breitenklassen auswerten
Statt nur einen Durchschnitt zu bilden, sollte sichtbar werden, wie viele Radsätze bis 230, zwischen 231 und 240 oder über 240 Millimeter Platz je Rad benötigen. Ein Durchschnitt verschleiert breite Ausreißer.
5. Regalsystem und Feldmix abstimmen
Nicht jedes Feld muss gleich breit sein. Kurze Felder können Restmaße im Raum nutzen; breitere Hauptfelder nehmen den überwiegenden Bestand auf. Entscheidend ist ein nachvollziehbarer Mix aus Feldbreite, Fachlast, Raumkapazität und Handhabung. Einen Überblick über geeignete Systeme bietet die Kategorie Reifen und Räder stehend lagern.
6. Reserve für den künftigen Bestand einplanen
Räder werden tendenziell größer und schwerer. Ein Lager, das heute ohne Luft bis auf den letzten Millimeter belegt ist, besitzt keine belastbare Reserve für neue Fahrzeugmodelle und veränderte Kundenbestände.
Häufige Planungsfehler
- Kapazitätsangaben übernehmen, ohne die zugrunde gelegte Reifenbreite zu kennen.
- Produktfotos als Beleg für die mögliche Belegung verwenden.
- Außenbreite des Regals mit der nutzbaren Feldbreite verwechseln.
- Radbreiten lediglich multiplizieren und Handling-Luft vergessen.
- Mischbereifung und den Unterschied zwischen Sommer- und Winterrädern ignorieren.
- Nur einen Durchschnittswert betrachten und die Häufigkeitsverteilung übersehen.
- Trenn- und Führungselemente ohne eigenen Platzbedarf einplanen.
- Ein breiteres Feld wählen, ohne die sinkende Fachlast längerer Tragbalken zu prüfen.
Checkliste vor der Entscheidung
- Liegt eine aktuelle Liste der eingelagerten Reifendimensionen vor?
- Sind Vorder- und Hinterachse getrennt erfasst?
- Wurde bei festen Lagerplätzen die breitere Saison berücksichtigt?
- Ist das lichte Nutzmaß des Regalfeldes bekannt?
- Wurde seitliche Handling-Luft eingeplant?
- Werden Trenn- oder Führungselemente benötigt?
- Passt die Fachlast zur Feldbreite und zum Radgewicht?
- Bleibt eine Reserve für breitere und schwerere Räder?
Erst der Bestand, dann das Regal
Eine belastbare Räderlagerplanung beginnt nicht beim Regalkatalog, sondern bei den einzulagernden Rädern. Kinesto analysiert den tatsächlichen Bestand, entwickelt daraus passende Feldbreiten und verbindet Kapazität, Fachlast, Raumaufteilung und ergonomische Abläufe zu einer funktionierenden Gesamtlösung.
Sie möchten wissen, welche Regalfeldbreiten zu Ihrem Räderbestand passen? Stellen Sie uns eine anonymisierte Liste Ihrer Reifendimensionen zur Verfügung. Wir werten Breiten und Durchmesser aus und entwickeln daraus eine belastbare Räderlagerlösung.