Ratgeber › Räderlager richtig planen
Räderlager planen
Räderlager richtig planen
Lagerkapazität, Arbeitswege und Ergonomie von Anfang an zusammendenken.
Ein gutes Räderlager bringt nicht einfach möglichst viele Räder auf möglichst wenig Grundfläche unter.
Es sorgt dafür, dass jeder Radsatz schnell gefunden, sicher erreicht und mit möglichst wenigen Handgriffen ein- oder ausgelagert werden kann. Deshalb beginnt die Planung nicht beim Regal. Sie beginnt bei den Rädern, den saisonalen Mengen und den tatsächlichen Abläufen im Betrieb.
1. Wie viele Räder müssen heute und morgen gelagert werden?
Ausgangspunkt ist die benötigte Zahl der Lagerplätze. Dabei sollte nicht nur der aktuelle Bestand betrachtet werden. Saisonale Spitzen, erwartetes Wachstum und eine sinnvolle Reserve gehören ebenfalls in die Planung.
Entscheidend ist außerdem, was gezählt wird: einzelne Räder, komplette Radsätze oder Kundenfahrzeuge. Eine eindeutige Berechnungsgrundlage verhindert, dass eine Anlage rechnerisch groß genug erscheint, praktisch aber schon nach kurzer Zeit an ihre Grenze kommt.
Kurz empfohlen: Den heutigen Spitzenbestand erfassen, eine realistische Entwicklung berücksichtigen und die gewünschte Reserve ausdrücklich festlegen.
2. Welche Radabmessungen müssen in die Anlage passen?
Reifenbreite, Raddurchmesser und Radgewicht unterscheiden sich deutlich. Bei Mischbereifung können Vorder- und Hinterräder verschieden breit sein. Hinzu kommt die Wechselbereifung: Ein Fahrzeug kann im Sommer breitere Räder fahren als im Winter.
Soll für beide Saisons derselbe Lagerplatz verwendet werden, muss das Regalfeld den breiteren Radsatz aufnehmen können. Während der Saison mit den schmaleren Rädern bleibt dann bewusst etwas mehr Luft im Fach.
Auch größere Felgendurchmesser bedeuten nicht automatisch einen gleich starken Anstieg des gesamten Raddurchmessers, weil die Reifenflanke häufig niedriger ausfällt. Für die Planung zählt deshalb immer das komplette Rad – nicht allein die Zollangabe der Felge.
Kurz empfohlen: Nicht mit einem vermeintlichen Durchschnittsrad planen. Reale Breiten, Außendurchmesser und Gewichte des Bestands zugrunde legen und künftige Fahrzeugentwicklungen mitdenken.
3. Welches Lagerprinzip passt zum Betrieb?
Stehend, einfach tief
Jedes Rad ist direkt erreichbar. Es muss nichts durchgeschoben oder von einem vorderen Lagerplatz weggenommen werden. Das spart pro Zugriff nur wenige Sekunden – in einer intensiven Rädersaison können daraus jedoch viele Arbeitsstunden werden. Der direkte Zugriff ist besonders interessant, wenn kurze Kommissionierzeiten wichtiger sind als die maximal mögliche Verdichtung der Grundfläche.
Stehend, doppelt tief
Die doppelt tiefe Lagerung spart Gänge und verbessert damit zunächst das Verhältnis von Verkehrsfläche zu Lagerfläche. Dafür muss beim Zugriff auf das hintere Rad zusätzlich gehandhabt werden. Sie ist häufig ein sinnvoller Kompromiss zwischen Flächennutzung, Investition und Zugriffsgeschwindigkeit.
Stehend, vierfach tief
Vier hintereinander gelagerte Räder reduzieren die Zahl der erforderlichen Gänge weiter. Gleichzeitig steigen Handhabungsaufwand und Zugriffszeit. Meist werden zusätzliche seitliche Führungen oder Unterteilungen benötigt. Diese Bauteile kosten Material, Geld und in der Länge ebenfalls Raum. Der Vorteil auf dem Grundriss kann dadurch teilweise wieder verloren gehen.
Liegend, als kompletter Radsatz
Bei der liegenden, satzweisen Lagerung bleiben die vier Räder zusammen. Mit einem geeigneten Regalbediengerät kann das den Durchsatz verbessern und die körperliche Belastung deutlich reduzieren. Dafür wird die technische Bedienung konsequent benötigt. Häufig sind außerdem breitere Gänge erforderlich. Verfahrbare Regalanlagen können Gangfläche einsparen, erhöhen aber Investition und technische Komplexität.
4. Nicht nur Quadratmeter, sondern den ganzen Raum betrachten
Eine wirtschaftliche Anlage nutzt nicht nur die Bodenfläche, sondern auch Höhe und Länge des Raums. Viele schmale Unterteilungen schaffen Ordnung, belegen zusammen aber ebenfalls Platz. Breite Gänge erleichtern die Bedienung, verringern jedoch den Anteil der eigentlichen Lagerfläche.
Deshalb sollten Grundfläche, Raumhöhe, Gangbreiten, Unterteilungen und Bediengeräte gemeinsam verglichen werden. Die Variante mit den meisten Stellplätzen auf einer zweidimensionalen Skizze ist nicht automatisch die beste Lösung im Betrieb.
Kurz empfohlen: Für jede Variante nicht nur Lagerplätze pro Quadratmeter, sondern auch Zugriffszeit, Gerätebedarf und nutzbares Raumvolumen gegenüberstellen.
5. Der Arbeitsablauf entscheidet mit
Ein Räderlager wird in kurzen Saisonphasen besonders intensiv genutzt. Kleine Unterschiede bei Laufwegen, Suchzeiten und Handgriffen wiederholen sich dann sehr häufig.
Zu einer belastbaren Planung gehören deshalb Fragen wie:
- Wie kommen die Räder von der Fahrzeugannahme ins Lager?
- Wann und wo werden sie gekennzeichnet, geprüft oder gewaschen?
- Wie werden sie einem Auftrag und einem Lagerplatz zugeordnet?
- Welche Wege entstehen beim Einlagern und Kommissionieren?
- Wo muss ein Mitarbeiter heben, drehen, schieben oder rangieren?
- Was geschieht, wenn ein Regalbediengerät ausfällt oder gleichzeitig an anderer Stelle benötigt wird?
Die beste Lösung ist diejenige, die Kapazität und Arbeitsablauf zusammen verbessert.
Typische Planungsfehler
- Nur den heutigen Durchschnittsbestand statt der saisonalen Spitze betrachten.
- Regalfelder nach Standardmaßen auswählen, ohne den tatsächlichen Räderbestand auszuwerten.
- Misch- und Wechselbereifung bei der Feldbreite nicht berücksichtigen.
- Felgendurchmesser mit vollständigem Raddurchmesser verwechseln.
- Nur Lagerplätze pro Quadratmeter vergleichen.
- Zusätzliche Führungen, Unterteilungen und Rangierflächen nicht einrechnen.
- Kurze Zusatzhandgriffe unterschätzen, die sich während der Saison vielfach wiederholen.
- Ein technisch abhängiges Lagerprinzip ohne Ausfall- und Ablaufbetrachtung wählen.
- Ergonomie erst nach der Festlegung des Regalsystems prüfen.
Räder, Raum und Abläufe müssen zusammenpassen.
Kinesto analysiert Bestand, Raum und Prozesse, vergleicht geeignete Lagerprinzipien und plant die Lösung bis zur Montage.