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Ratgeber › Reifenregale realistisch planen

Räderlager planen

Wie viele Reifen passen wirklich in ein Regalfeld?

Die Herstellerangabe allein genügt nicht. Erst aus Reifenbreite, nutzbarer Feldbreite und ausreichender Handling-Luft entsteht eine realistische Lagerkapazität.

Auf einem Produktfoto stehen zehn Reifen nebeneinander. In der Beschreibung ist von 60 oder 80 Lagerplätzen die Rede. Aber passt diese Zahl auch zu den Rädern, die tatsächlich im Betrieb eingelagert werden?

Die ehrliche Antwort: Erst wenn Reifenbreite und lichte Feldbreite bekannt sind, lässt sich die Kapazität belastbar abschätzen.

Die erste Zahl der Reifendimension bezeichnet die nominelle Reifenbreite. Bei 245/45 R19 sind das 245 Millimeter. Für die Lagerplanung darf dieser Wert jedoch nicht einfach mit der gewünschten Anzahl der Räder multipliziert werden. Nennbreite und tatsächlicher Platzbedarf sind nicht dasselbe.

Von der Reifenbreite zur Planungsbreite

Die Reifenbreite auf der Seitenwand ist eine Nenn-Querschnittsbreite. Je nach Reifenbauart, Messfelge, Felgenschutzrippe und tatsächlicher Rad-Reifen-Kombination kann die reale Außenbreite abweichen. Zusätzlich benötigen Mitarbeiter etwas Luft, damit sich die Räder ohne Klemmen ein- und auslagern lassen.

Planungsbreite je Rad = oberer Wert der Breitenklasse + 25 mm Reserve

Die 25 Millimeter bilden gemeinsam eine kleine technische Toleranz sowie die notwendige Luft für das Handling ab. Sie sind kein allgemeingültiger Normwert. Felgenüberstand, Schutzrippen, Trennelemente oder besondere betriebliche Anforderungen können mehr Platz erfordern.

Welche Reifenbreiten sind heute relevant?

NennbreiteTypische EinordnungPlanungsbreite je RadPlanungsgewicht je Komplettrad*
155–185 mmKleinwagen, ältere und schmal bereifte Fahrzeuge210 mm15–22 kg
195–215 mmviele Kompakt- und Mittelklassefahrzeuge240 mm20–27 kg
225–245 mmhäufige aktuelle Pkw-, Crossover- und SUV-Größen270 mm25–32 kg
255–285 mmbreite SUV-, Premium- und Performance-Räder310 mm30–38 kg
295–325 mmsehr breite SUV- und Hochleistungsräder350 mm35–45 kg

* Konservative Kinesto-Planungsklassen für die Modellrechnung, keine Norm- oder Marktmittelwerte. Reifenbreite und Komplettradgewicht stehen nicht in einem festen Verhältnis. Für konkrete Anlagen haben gewogene oder anderweitig belastbar ermittelte Bestandswerte Vorrang.

Kapazitätsmatrix: Reifenbreite und lichte Feldbreite

Die Matrix zeigt, wie viele Reifen oder Kompletträder einer Breitenklasse rechnerisch nebeneinanderpassen. Sämtliche Spalten beziehen sich auf die lichte, tatsächlich nutzbare Feldbreite – nicht auf das Außenmaß des Regals.

Reifen-NennbreitePlanungsbreite1.0001.2001.5001.8001.8902.0002.2502.5002.700 mm
155–185 mm210 mm457899101112
195–215 mm240 mm45677891011
225–245 mm270 mm3456778910
255–285 mm310 mm334566788
295–325 mm350 mm234555677

Berechnung: lichte Feldbreite geteilt durch die Planungsbreite je Rad; Nachkommastellen werden abgerundet. Ein halber Reifen ist kein Lagerplatz.

  • In 1.890 Millimetern Nutzbreite passen bei 225 bis 245 Millimetern Nennbreite rechnerisch sieben Räder.
  • In 2.250 Millimetern Nutzbreite passen in derselben Breitenklasse acht Räder.
  • In 2.700 Millimetern Nutzbreite passen bei 270 Millimetern Planungsbreite zehn Räder.
  • Bei 255 bis 285 Millimetern Nennbreite sinkt die Belegung eines 2.250-Millimeter-Feldes auf sieben Räder.

Zweite Prüfebene: Trägt das Feld die geometrisch möglichen Räder?

Die Breitenmatrix beantwortet nur, wie viele Räder räumlich nebeneinanderpassen. Bei Kompletträdern muss zusätzlich geprüft werden, ob die zulässige Fachlast für diese Belegung ausreicht.

Zulässige Traglast je Platz = Fachlast der Ebene ÷ Zahl der geometrisch möglichen Radplätze

Die zweite Matrix verbindet dieselben Breitenklassen mit verifizierten Fachlasten der bei Kinesto angebotenen Systeme. Beim BMT-Einzelregal gelten 250 Kilogramm je Ebene; bei der doppelt tiefen Ausführung 500 Kilogramm. Da sich bei doppelter Tiefe sowohl Fachlast als auch Radplätze verdoppeln, bleibt die rechnerische Traglast je Platz gleich.

NennbreiteGewicht*F1 1.000 / 952 kgF1 1.200 / 793 kgF1 1.500 / 630 kgF1 1.800 / 525 kgBMT 1.890 / 250 kgF1 2.000 / 470 kgF1 2.250 / 360 kgF1 2.500 / 300 kgF1 2.700 / 250 kg
155–185≤224 / 238 / ●5 / 158 / ●7 / 90 / ●8 / 65 / ●9 / 27 / ●9 / 52 / ●10 / 36 / ●11 / 27 / ▲12 / 20 / ■
195–215≤274 / 238 / ●5 / 158 / ●6 / 105 / ●7 / 75 / ●7 / 35 / ●8 / 58 / ●9 / 40 / ●10 / 30 / ▲11 / 22 / ■
225–245≤323 / 317 / ●4 / 198 / ●5 / 126 / ●6 / 87 / ●7 / 35 / ▲7 / 67 / ●8 / 45 / ●9 / 33 / ▲10 / 25 / ■
255–285≤383 / 317 / ●3 / 264 / ●4 / 157 / ●5 / 105 / ●6 / 41 / ▲6 / 78 / ●7 / 51 / ●8 / 37 / ■8 / 31 / ■
295–325≤452 / 476 / ●3 / 264 / ●4 / 157 / ●5 / 105 / ●5 / 50 / ▲5 / 94 / ●6 / 60 / ●7 / 42 / ■7 / 35 / ■

Ampellogik: ● Grün: höchstens 80 % der Fachlast · ▲ Gelb: über 80 bis 100 % · ■ Rot: Fachlast überschritten.

Die Ampel ist keine Freigabe für eine konkrete Anlage. Maßgeblich bleiben Herstellerangaben, gleichmäßige Lastverteilung, fachgerechter Aufbau und wirkliche Gewichte.

Breite und Traglast müssen gemeinsam funktionieren

Ein 2.700-Millimeter-Feld bietet geometrisch viele Plätze. Der zugehörige F1-Tragbalken trägt jedoch 250 Kilogramm je Paar. Zehn Kompletträder mit jeweils 32 Kilogramm würden zusammen 320 Kilogramm wiegen – die Breite reicht, die Traglast nicht.

Ein 2.250-Millimeter-Feld nimmt in derselben Breitenklasse acht Räder auf. Bei 360 Kilogramm Fachlast stehen rechnerisch 45 Kilogramm je Platz zur Verfügung. Hier passen Breitenkapazität und Tragkraft wesentlich besser zusammen.

Reifen zählen oder vollständige Radsätze planen?

Die Matrix zählt zunächst einzelne Räder. Im Betrieb werden jedoch meistens vollständige Vierersätze eingelagert. Bei einfach tiefer Lagerung stehen alle vier Räder eines Satzes nebeneinander. Acht Plätze ergeben zwei vollständige Radsätze. Bei doppelt tiefer Lagerung stehen üblicherweise zwei Räder vorn und zwei dahinter. Acht Plätze in der Breite können vier Radsätze je Ebene aufnehmen, sofern Regaltiefe, Zugriff und Zuordnung dazu passen.

Wie sich einfach tiefe, doppelt tiefe und liegende Lagerung auf Zugriff, Arbeitswege und Flächennutzung auswirken, erläutert der Beitrag Räderlager richtig planen.

Zwischen benachbarten Sätzen kann ein Trenn- oder Führungselement sinnvoll sein. Dessen Breite ist in der Matrix nicht enthalten und muss zusätzlich abgezogen werden.

Mischbereifung und Saisonwechsel verändern die Rechnung

Bei Mischbereifung sind die Hinterräder häufig breiter als die Vorderräder. Werden zwei breite und zwei schmalere Räder gemeinsam gelagert, ist die tatsächliche Summe der vier Planungsbreiten genauer als eine pauschale Klassenrechnung.

Auch Sommer- und Winterräder können unterschiedlich breit sein. Ein fest zugeordneter Lagerplatz muss für die breitere Saison funktionieren. Sonst sieht die Belegung im Sommer mit schmaleren Winterrädern problemlos aus und wird im Winter beim Einlagern der breiteren Sommerräder zur Engstelle.

Nicht die gerade eingelagerte Saison und nicht der Durchschnitt, sondern die breitere reale Belegung bestimmt den Platzbedarf.

Der Markt entwickelt sich zu größeren Rad-Reifen-Kombinationen

Die Fahrzeugflotte wird nicht von heute auf morgen vollständig breiter. Der Trend ist dennoch klar: SUVs, leistungsstärkere Fahrzeuge und Elektrofahrzeuge erhöhen Gewicht, Lastanforderungen und die Verbreitung großformatiger Rad-Reifen-Kombinationen.

Ein reales, anonymisiertes Kinesto-Projekt bestätigt die praktische Bedeutung. Bei der Auswertung von 1.089 Radsätzen lagen 932 Sätze beziehungsweise 85,6 Prozent über 240 Millimetern benötigter Platzbreite je Rad. Die Bestandsdaten führten deshalb von einem zunächst betrachteten Zwei-Meter-System zu 2,25-Meter-Feldern.

Die Matrix ersetzt keine Bestandsanalyse

Die Annahmen und Tabellenwerte müssen immer mit dem individuellen, tatsächlich eingelagerten Radbestand des Anwenders abgeglichen werden.

Fahrzeugmix, Kundschaft, Anteil von SUV-, Transporter-, Premium- und Elektrofahrzeugen sowie saisonale Bereifung können die Verteilung von Breiten und Gewichten erheblich verändern. Was für einen Betrieb gut passt, kann für einen anderen bereits zu eng oder unnötig großzügig sein.

Für eine konkrete Räderlageranlage sollte die Planung deshalb auf dem tatsächlichen Bestand beruhen:

  1. Reifendimensionen für Sommer- und Winterräder exportieren.
  2. Vorder- und Hinterachse getrennt erfassen.
  3. Für feste Lagerplätze die jeweils breitere Saison berücksichtigen.
  4. Reale Radbreite, Felgenüberstand und Handlingzugabe bestimmen.
  5. Den Bestand nach Breitenklassen und vollständigen Radsätzen auswerten.
  6. Feldbreite, Fachlast, Regaltiefe und Arbeitsablauf gemeinsam prüfen.

Die umgekehrte Planungsfrage behandeln wir im Ratgeber Wie breit muss ein Regalfeld für Reifen und Räder sein?.  Geeignete Systeme zeigt die Kategorie Reifen und Räder stehend lagern.

Fazit: Kapazität beginnt bei der ehrlichen Rechengrundlage

Eine hohe Zahl im Katalog ist noch keine belastbare Lagerkapazität. Entscheidend sind das lichte Nutzmaß, die tatsächlichen Reifen- und Radbreiten, vollständige Radsätze sowie genügend Luft für einen sicheren und zügigen Arbeitsablauf.

Kinesto analysiert Ihren Räderbestand, ordnet ihn nach Breitenklassen und entwickelt daraus eine Regallösung, die nicht nur rechnerisch, sondern auch im Saisonbetrieb funktioniert.

Sie möchten wissen, welche Regalfeldbreiten zu Ihrem Räderbestand passen? Stellen Sie uns eine anonymisierte Liste Ihrer Reifendimensionen zur Verfügung. Wir werten Breiten und Durchmesser aus und entwickeln daraus eine belastbare Räderlagerlösung.

Räderbestand auswerten und Lagerkapazität planen