Ratgeber › Räderlager wirtschaftlich planen
Räderlager planen
Reifen und Räder einfach oder doppelt tief lagern?
Einfach tiefe Regale bieten den direktesten Zugriff. Doppelt tiefe Anlagen nutzen die Grundfläche besser. Entscheidend ist, wie wenige zusätzliche Handgriffe gegen eingesparte Gangfläche und zusätzliche Lagerkapazität abzuwägen sind.
Soll jedes Rad unmittelbar vom Gang aus erreichbar sein – oder sollen zwei Räder hintereinander stehen? Diese Entscheidung verändert nicht nur die Regaltiefe. Sie beeinflusst die Zahl der benötigten Gänge, die Lagerkapazität, den täglichen Zugriff und den Durchsatz in der Saison.
Die kurze Antwort: Einfach tiefe Lagerung optimiert den Zugriff. Doppelt tiefe Lagerung optimiert häufig die Flächennutzung. Welche Lösung wirtschaftlicher ist, entscheidet der konkrete Raum zusammen mit dem tatsächlichen Räderbestand und dem betrieblichen Ablauf.
Pauschale Aussagen wie „doppelt tief dauert viel zu lange“ oder „doppelt tief ist immer platzsparender“ greifen zu kurz. Die Unterschiede müssen im realen Prozess und im konkreten Grundriss betrachtet werden.
Was bedeutet einfach oder doppelt tief?
Bei der einfach tiefen Lagerung stehen sämtliche Räder in einer Reihe. Jedes Rad ist vom Kommissioniergang aus direkt erreichbar. Ein vollständiger Radsatz aus vier Rädern beansprucht in der Breite vier Radplätze.
Bei der doppelt tiefen Lagerung befinden sich zwei Räder vorn und zwei weitere dahinter. Seitlich benötigt der vollständige Radsatz damit nur zwei Radbreiten. Für die hinteren Räder ist jedoch ein zusätzlicher Handhabungsschritt erforderlich: Sie müssen nach vorn geholt oder mit einer geeigneten Hilfe aus der hinteren Position übernommen werden.
Beide Prinzipien können technisch sinnvoll sein. Sie lösen nur unterschiedliche Aufgaben.
Der zentrale Unterschied: Zugriff gegen Flächennutzung
Einfach tiefe Regale benötigen für dieselbe Zahl an Rädern mehr Regalfront. Dadurch entstehen je nach Raum mehr Regalreihen und mehr Kommissioniergänge. Der Anteil der Verkehrsfläche an der gesamten Lagerfläche steigt.
Doppelt tiefe Regale nehmen von derselben Gangseite aus zwei Reihen Räder auf. Damit kann der Anteil der Gänge sinken. Mehr von der vorhandenen Grundfläche wird tatsächlich für Lagerplätze genutzt.
Dieser Vorteil ist besonders interessant, wenn:
- der Raum in der Breite begrenzt ist,
- jeder zusätzliche Gang viel Fläche kostet,
- eine festgelegte Zielkapazität im vorhandenen Gebäude erreicht werden muss,
- oder durch die größere Lagertiefe eine vollständige Regalreihe zusätzlich in den Grundriss passt.
Ob das wirklich gelingt, lässt sich nicht aus der Regaltiefe allein ableiten. Wandabstände, Stützen, Tore, Fluchtwege, Gangbreiten und Bediengeräte müssen in den Grundriss einbezogen werden.
Wie viel länger dauert der Zugriff wirklich?
Bei einfach tiefer Lagerung wird ein Rad unmittelbar aus seiner Lagerposition entnommen. Bei doppelt tiefer Lagerung müssen die beiden hinteren Räder zusätzlich nach vorn geholt werden. Genau darin besteht der Zeitunterschied.
Für eine verständliche Vergleichsrechnung arbeiten wir mit bewusst gerundeten Planungswerten:
| Reiner Vorgang direkt am Regal | Einfach tief | Doppelt tief |
|---|---|---|
| Vier Räder entnehmen und unmittelbar auf Trolley, Gabel oder Wagen ablegen | ca. 20 Sekunden | ca. 30 Sekunden |
| Zusätzlicher Zeitbedarf | ca. 10 Sekunden je Radsatz |
Die zehn zusätzlichen Sekunden entstehen durch das zweimalige Greifen in die hintere Position und das Vorholen der dort gelagerten Räder. Lauf- und Fahrwege, Lagerplatzsuche, Kontrolle und Übergabe an nachfolgende Arbeitsbereiche sind in dieser Nettozeit nicht enthalten.
Die Zahlen sind keine allgemeingültige Vorgabe für jeden Mitarbeiter und jedes Lager. Radgröße und -gewicht, Fachhöhe, Bewegungsraum und Hilfsmittel verändern die tatsächliche Zeit. Die runden 20 beziehungsweise 30 Sekunden eignen sich aber, um die wirtschaftlichen Auswirkungen beider Prinzipien nachvollziehbar miteinander zu vergleichen.
Was wenige Sekunden über die Saison bedeuten
Ein Zeitunterschied von zehn Sekunden wirkt bei einem einzelnen Radsatz gering. Über eine Saison und einen größeren Bestand summiert er sich dennoch. Für das folgende Modell nehmen wir zwei Wechselzeiten pro Jahr an. Jeder Radsatz wird damit zweimal ausgelagert und zweimal wieder eingelagert. Das ergibt vier Lagerbewegungen pro Jahr.
| Lagerbestand | Zusätzliche Zeit pro Jahr bei vier Bewegungen |
|---|---|
| 500 Radsätze | ca. 5 Stunden 33 Minuten |
| 1.000 Radsätze | ca. 11 Stunden 7 Minuten |
| 2.000 Radsätze | ca. 22 Stunden 13 Minuten |
| 5.000 Radsätze | ca. 55 Stunden 33 Minuten |
Diese Rechnung beschreibt nur den zusätzlichen Handgriff am Regal. Sie sagt noch nicht, welche Lösung im Gesamtprozess wirtschaftlicher ist. Eine kompaktere Anlage kann gleichzeitig Wege verkürzen, weniger Gangwechsel erfordern, Suchzeiten verringern und die Entfernung zwischen Übergabepunkt und Lagerplatz reduzieren.
Der richtige Vergleich lautet deshalb nicht „zehn Sekunden gegen null“, sondern: Wie verhalten sich zusätzlicher Handhabungsaufwand, eingesparte Fläche und kürzere Wege im konkreten Betrieb zueinander?
Flächeneffizienz und Ganganteil
Die doppelt tiefe Lagerung verbessert das Verhältnis von Lagerfläche zu Verkehrsfläche. Eine Regalzeile ist zwar tiefer, benötigt aber nur einen Kommissioniergang für zwei hintereinanderliegende Radpositionen.
Wie groß der Vorteil ausfällt, hängt stark vom Raum ab. Bei langen, gleichmäßigen Hallen kann der Gewinn deutlich sein. In kleinteiligen Bestandsräumen können Stützen, Vorsprünge, Brandschutzflächen oder unpassende Restmaße einen Teil des Vorteils wieder aufzehren.
Entscheidend ist: Wie viele tatsächlich nutzbare Lagerplätze entstehen im gesamten Raum – einschließlich der erforderlichen Gänge und Sicherheitsabstände?
Ein vereinfachtes Flächenbeispiel
Wir betrachten ein 2,25 Meter langes Regalfeld auf beiden Seiten eines einen Meter breiten Kommissioniergangs. Die Regalhöhe und die Zahl der Ebenen sind in beiden Varianten gleich.
| Modellgröße | Einfach tief | Doppelt tief |
|---|---|---|
| Regaltiefe links und rechts | je 0,80 m | je 1,60 m |
| Gesamtbreite einschließlich Gang | 2,60 m | 4,20 m |
| Fläche des 2,25-m-Abschnitts | 5,85 m² | 9,45 m² |
| Radsätze je Ebene | 4 | 8 |
| Radsätze bei acht Ebenen | 32 | 64 |
| Radsätze je m² Grundfläche bei acht Ebenen | 5,47 | 6,77 |
In diesem vereinfachten Modell nimmt die doppelt tiefe Lagerung je Quadratmeter rund 24 Prozent mehr Radsätze auf. Die Kapazität verdoppelt sich nicht, denn auch das Regal selbst wird tiefer. Der benötigte Anteil der Gangfläche verteilt sich aber auf mehr Lagerplätze.
Was bedeutet das bei 600 Quadratmetern?
Bei einer rechnerischen Vollbelegung von 600 Quadratmetern ergeben sich modellhaft rund 3.280 Radsätze bei einfach tiefer und rund 4.060 Radsätze bei doppelt tiefer Lagerung. Bei einem angenommenen Mietzins von 7 Euro je Quadratmeter beträgt die Miete in beiden Fällen 4.200 Euro pro Monat. Die vorhandene Fläche wird jedoch unterschiedlich ergiebig genutzt:
| Kennzahl | Einfach tief | Doppelt tief |
|---|---|---|
| Rechnerische Kapazität | ca. 3.280 Radsätze | ca. 4.060 Radsätze |
| Miete je möglichem Radsatz und Monat | ca. 1,28 € | ca. 1,03 € |
Noch anschaulicher ist der Vergleich bei gleicher Kapazität: Für rund 3.280 Radsätze benötigt das Modell einfach tief 600 Quadratmeter, doppelt tief dagegen nur rund 485 Quadratmeter. Die rechnerische Differenz von ungefähr 115 Quadratmetern entspricht bei 7 Euro Miete je Quadratmeter rund 808 Euro im Monat beziehungsweise rund 9.690 Euro im Jahr.
Flächenvorteil und Prozessmehraufwand gegenüberstellen
Für dieselben rund 3.280 Radsätze ergeben sich bei vier Lagerbewegungen pro Jahr und den gerundeten 20 beziehungsweise 30 Sekunden folgende Nettozeiten direkt am Regal:
| Modellwert | Einfach tief | Doppelt tief |
|---|---|---|
| Nettozeit am Regal pro Jahr | ca. 73 Stunden | ca. 109 Stunden |
| Unterschied | ca. 36,5 zusätzliche Stunden |
Mit den tatsächlichen Arbeitgeberkosten je Arbeitsstunde lässt sich daraus der betriebliche Prozessmehraufwand berechnen. Bei beispielhaft angenommenen 45 Euro je Arbeitsstunde wären das rund 1.640 Euro pro Jahr. Diesem Betrag stünde im vereinfachten Modell ein Flächenkostenvorteil von rund 9.690 Euro pro Jahr gegenüber.
Wichtig: Diese Rechnung ist bewusst anschaulich und noch keine Investitionsrechnung. In einem konkreten Projekt werden unter anderem die tatsächliche Raumgeometrie, Belegungsquote, Quergänge, Sicherheitsflächen, Investitionskosten, Bediengeräte, reale Wege und betriebliche Personalkosten ergänzt.
Handling und Ergonomie
Einfach tief gelagerte Räder lassen sich unmittelbar greifen. Das ist besonders vorteilhaft bei manueller Bedienung, häufigen Einzelzugriffen und wechselnden Mitarbeitern.
Bei doppelt tiefer Lagerung muss die hintere Position kontrolliert nach vorn gebracht werden. Das kann manuell oder mit einer geeigneten Handhabungshilfe erfolgen. Wichtig sind:
- eine ergonomisch erreichbare Fachhöhe,
- ein zur Radgröße passender Tragbalkenabstand,
- eine sichere Führung in der Zwischenposition,
- ausreichende Bewegungsfläche vor dem Regal,
- und ein klarer Ablauf, der unnötiges Heben und Verdrehen vermeidet.
Ein Reifenrechen kann beim Zugriff auf die hinteren Räder unterstützen. Er ersetzt jedoch keine passende Regalgeometrie und keine Einweisung der Mitarbeiter.
Ordnung, Zuordnung und Fehlerrisiko
Bei einfach tiefer Lagerung ist die räumliche Zuordnung besonders transparent: Alle vier Räder eines Satzes stehen nebeneinander und sind vom Gang aus sichtbar.
Bei doppelt tiefer Lagerung müssen vordere und hintere Position eindeutig zusammengehören. Beschriftung, Lagerplatzlogik und gegebenenfalls Trennelemente werden dadurch wichtiger. Ein funktionierendes Lagerverwaltungssystem und gut sichtbare Lagerplatzkennzeichnungen reduzieren Such- und Verwechslungsrisiken.
Die doppelte Tiefe darf nicht dazu führen, dass hintere Räder „unsichtbar“ werden. Der Lagerplatz muss als vollständige Einheit geplant, beschriftet und im System geführt werden.
Welche Geräte passen zu welchem Prinzip?
Einfach tiefe Regale können manuell, mit Kommissionierwagen oder mit Regalbediengeräten bedient werden. Bei höheren Ebenen bestimmen Hubhöhe, Gangbreite und Übergabegeometrie die Auswahl des Geräts.
Auch doppelt tiefe Regale lassen sich mit geeigneten Geräten bedienen. Zusätzlich muss geklärt werden, wie die hintere Position erreicht wird. Je nach System kommen Reifenrechen, kippbare Gabeln, Übergabebleche oder abgestimmte Regalbediengeräte infrage.
Die Lagerart und das Bediengerät sollten deshalb nicht nacheinander ausgewählt werden. Sie bilden gemeinsam ein System.
Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Einfach tief | Doppelt tief |
|---|---|---|
| Zugriff auf jedes Rad | unmittelbar | hintere Räder benötigen zusätzlichen Handgriff |
| Nettozeit für vier Räder direkt am Regal | ca. 20 Sekunden | ca. 30 Sekunden |
| Anteil der Gangfläche | höher | meist geringer |
| Lagerkapazität im Raum | benötigt mehr Regalfront | kann bei passendem Grundriss deutlich steigen |
| Transparenz der Belegung | sehr hoch | Kennzeichnung und Lagerplatzlogik besonders wichtig |
| Manuelle Ergonomie | einfacher Direktzugriff | Geometrie und Hilfsmittel stärker zu beachten |
| Geeignet für | häufige Direktzugriffe, viel Fläche, einfache Abläufe | flächenkritische Lager, größere Bestände, systematische Prozesse |
Wann ist einfach tief meist die bessere Wahl?
- wenn ausreichend Raum für Regalfront und Gänge vorhanden ist,
- wenn jeder Radsatz besonders häufig oder kurzfristig erreichbar sein muss,
- wenn überwiegend manuell gearbeitet wird,
- wenn eine sehr einfache, unmittelbar verständliche Belegung gewünscht ist,
- oder wenn die Raumgeometrie durch doppelte Tiefe keinen nennenswerten Kapazitätsgewinn zulässt.
Wann lohnt sich doppelt tief?
- wenn die vorhandene Grundfläche der begrenzende Faktor ist,
- wenn ein geringerer Ganganteil zusätzliche Lagerreihen ermöglicht,
- wenn größere Bestände systematisch verwaltet werden,
- wenn die wenigen zusätzlichen Sekunden am Fach durch kürzere Gesamtwege kompensiert werden,
- und wenn Regalgeometrie, Hilfsmittel und Bedienablauf aufeinander abgestimmt sind.
Häufige Planungsfehler
- Nur die Zugriffszeit am Fach betrachten und die Lauf- oder Fahrwege ignorieren.
- Den Flächenvorteil aus einer einzelnen Regalzeile ableiten, ohne den gesamten Grundriss zu rechnen.
- Die hintere Position planen, ohne einen klaren Ablauf für das Hervorholen der Räder festzulegen.
- Beschriftung und Lagerplatzverwaltung bei doppelter Tiefe unterschätzen.
- Einen Reifenrechen oder ein Bediengerät auswählen, bevor Tragbalkenabstand, Fachhöhe und Gangbreite feststehen.
- Mit pauschalen Radmaßen planen, statt den tatsächlichen Lagerbestand auszuwerten.
Weiterführende Planungshilfen
Grundlagen zur Anordnung von Regalreihen und Arbeitswegen erläutert der Beitrag Räderlager richtig planen. Wie die passende Feldbreite bestimmt wird, zeigt Wie breit muss ein Regalfeld für Reifen und Räder sein?. Die konkrete Belegung unterschiedlicher Feldbreiten lässt sich mit der Kapazitätsmatrix für Reifenregale abschätzen.
Geeignete Systeme finden Sie in der Kategorie Reifen und Räder stehend lagern.
Die Entscheidung fällt im Grundriss – und im Prozess
Einfach oder doppelt tief ist keine Glaubensfrage. Die wirtschaftlichere Lösung entsteht aus dem Zusammenspiel von Raum, Räderbestand, Gangflächen, Zugriffshäufigkeit, Bediengerät und Saisonprozess.
Kinesto vergleicht beide Varianten im konkreten Grundriss, berechnet die tatsächlich nutzbare Kapazität und betrachtet nicht nur die Zahl der Stellplätze, sondern auch Wege, Handgriffe, Mietkosten und Investitionsaufwand. So wird aus einer allgemeinen Modellrechnung eine belastbare Entscheidung für den eigenen Betrieb.
Welche Lagertiefe passt zu Ihrem Betrieb? Wir vergleichen Lagerkapazität, Prozesszeit und Flächenkosten an Ihrem konkreten Grundriss und Räderbestand.
Lagerkapazität und Prozesskosten für meinen Betrieb vergleichen