RÄDERLAGER PLANEN
Wie hoch muss ein Reifenregalfach sein?
Nicht die Zollgröße der Felge entscheidet, sondern der Außendurchmesser des vollständigen Rades. Erst zusammen mit Handling-Luft und der Konstruktion des Regals entsteht eine Fachhöhe, die im Saisonbetrieb wirklich funktioniert.
Ein Reifenregalfach ist nicht passend, nur weil ein Rad rechnerisch zwischen zwei Ebenen passt. Es muss sich auch sicher einbringen, aufrichten, greifen und wieder entnehmen lassen. Gleichzeitig kostet jeder unnötige Zentimeter Fachhöhe über die gesamte Anlage wertvollen Raum.
Dieser Beitrag vertieft einen wesentlichen Teil der Räderlagerplanung: die Frage, wie aus realen Raddimensionen belastbare Fachhöhen und eine sinnvoll nutzbare Regalhöhe entstehen.
Felgendurchmesser und Raddurchmesser sind nicht dasselbe
Eine Reifendimension wie 225/45 R17 enthält drei für die Größenbetrachtung wichtige Angaben:
- 225 bezeichnet die nominelle Reifenbreite in Millimetern,
- 45 bezeichnet die Höhe einer Reifenflanke in Prozent der Reifenbreite,
- 17 bezeichnet den Felgendurchmesser in Zoll.
Der theoretische Außendurchmesser lässt sich näherungsweise berechnen:
Für 225/45 R17 ergibt sich: 17 × 25,4 mm + 2 × 225 mm × 0,45 ≈ 634 mm.
Die Rechnung ist eine gute Orientierung, aber kein Ersatz für verifizierte Herstellermaße oder eine Messung am vollständigen Rad. Reifenkonstruktion, Profil, Luftdruck, Felgenbreite und tatsächliche Ausführung können das reale Maß beeinflussen.
Warum eine größere Felge nicht entsprechend mehr Fachhöhe benötigt
Der Felgendurchmesser kann steigen, während die Reifenflanke niedriger wird. Das zeigt ein Vergleich verschiedener für dasselbe Fahrzeug geeigneter Reifendimensionen:
| Reifendimension | Felge | Flankenhöhe je Seite | Außendurchmesser |
|---|---|---|---|
| 195/65 R15 | 15 Zoll | ca. 127 mm | ca. 635 mm |
| 205/55 R16 | 16 Zoll | ca. 113 mm | ca. 632 mm |
| 225/45 R17 | 17 Zoll | ca. 101 mm | ca. 634 mm |
| 225/40 R18 | 18 Zoll | ca. 90 mm | ca. 637 mm |
Für die Regalplanung gilt deshalb: Nicht nach Felgengrößen sortieren und daraus die Fachhöhe ableiten. Maßgeblich ist der Außendurchmesser des vollständigen, tatsächlich einzulagernden Rades.
Die Räder werden größer – aber nicht allein wegen der Felge
Die Entwicklung zu größeren Felgen ist deutlich. Eine Schweizer Untersuchung zur Erstausrüstung neuer Fahrzeuge wertete von 2005 bis 2019 jährlich rund 242.000 bis 294.000 Fahrzeuge mit einer Datenabdeckung von ungefähr 99 Prozent aus. Die durchschnittliche Felgengröße stieg in diesem Zeitraum von rund 15,32 auf 16,65 Zoll. Gleichzeitig nahm die durchschnittliche Reifenbreite um gut 15 Millimeter zu.
Aktuellere TyreSystem-Daten für Sommer- und Ganzjahresreifen bestätigen die Richtung in einem anderen Marktsegment. Zwischen 2022 und 2025 sank der Anteil der Größen von 13 bis 15 Zoll, während 18 Zoll von 13,6 auf 15,5 Prozent, 19 Zoll von 9,1 auf 10,6 Prozent und 20 Zoll von 4,6 auf 5,5 Prozent zunahmen.
Beide Datensätze beschreiben unterschiedliche Märkte und dürfen nicht zu einer scheinbar lückenlosen Zeitreihe vermischt werden. Gemeinsam zeigen sie aber: Ein Lager, dessen Fachhöhen nur an einem alten Durchschnittsbestand ausgerichtet sind, besitzt für neuere und größere Rad-Reifen-Kombinationen möglicherweise zu wenig Reserve.
Größere Felgen allein erklären den Raumbedarf trotzdem nicht. Fahrzeugklasse, Reifenbreite, Querschnitt, Bremsanlage, Tragfähigkeit und Fahrzeuggewicht wirken gemeinsam auf die tatsächlich verwendeten Dimensionen. Für die Planung zählt daher weiterhin der eigene Bestand – nicht eine allgemeine Marktstatistik.
Was bedeutet lichte Fachhöhe?
Die lichte Fachhöhe ist der tatsächlich freie Raum zwischen der Auflageebene eines Rades und der Unterkante des darüberliegenden Tragbalkens oder Auflagerohres. Nur dieser freie Raum steht dem Rad und der notwendigen Ein- und Auslagerungsbewegung zur Verfügung.
Davon zu unterscheiden sind:
- die Ebenenteilung als vertikaler Abstand von einer Auflageebene zur nächsten,
- die Konstruktionshöhe des dazwischenliegenden Tragbalkens oder Auflagerohres,
- die Gesamthöhe des Regals einschließlich unterster Auflage, aller Ebenen und des oberen Abschlusses.
Ein Regal kann beispielsweise eine Ebenenteilung von 850 Millimetern besitzen, ohne dass auch 850 Millimeter lichte Fachhöhe verfügbar sind. Die dazwischenliegende Konstruktion beansprucht einen Teil dieses Maßes.
Die Fachhöhe in drei Schritten bestimmen
1. Relevanten Raddurchmesser aus dem Bestand ermitteln
Die Planung beginnt mit den tatsächlich eingelagerten Reifendimensionen. Ideal ist ein anonymisierter Export aus dem Räderhotel- oder Lagerverwaltungssystem. Vorder- und Hinterachse sowie Sommer- und Winterbereifung sollten getrennt erfasst werden.
Aus jeder vollständigen Reifendimension lässt sich ein theoretischer Außendurchmesser berechnen. Anschließend werden die Ergebnisse durch Herstellerdaten oder Stichprobenmessungen plausibilisiert. Wichtig ist nicht nur der Durchschnitt. Sinnvoller ist eine Verteilung nach häufigen Standardgrößen, größeren SUV- und Transporterdimensionen, seltenen Ausreißern und künftig erwarteten Größen.
Die größte vorhandene Einzeldimension muss nicht zwangsläufig die gesamte Anlage bestimmen. Für wenige Ausreißer kann ein begrenzter Bereich mit größeren Fachhöhen wirtschaftlicher sein als eine unnötig großzügige Auslegung sämtlicher Ebenen.
2. Handling-Luft ergänzen
Ein Rad, das millimetergenau unter den nächsten Tragbalken passt, lässt sich im Alltag nicht vernünftig bewegen. Beim Einlagern wird es aufgerichtet, geführt und in seine Position gerollt oder geschoben. Beim Auslagern muss es angefasst und kontrolliert aus dem Fach herausbewegt werden.
- Mindestens etwa 20 Millimeter freie Luft oberhalb des größten vorgesehenen Rades,
- besser ungefähr 50 Millimeter, wenn Bedienung, Radgewicht und Raumaufteilung dies zulassen.
Diese Werte sind ein projektspezifischer Kinesto-Planungsansatz und keine allgemeingültige Norm. Bei manueller Bedienung, schweren Rädern, ungünstiger Greifhöhe oder besonderen Übergabebewegungen kann mehr Freiraum erforderlich sein. Entscheidend ist, dass die Reserve nicht nur auf einer Zeichnung vorhanden ist, sondern für die wirkliche Bewegung am Regal ausreicht.
3. Konstruktionshöhe und Verstelllogik einrechnen
Aus Raddurchmesser und Handling-Luft entsteht zunächst die lichte Fachhöhe. Für den Abstand von einer Auflageebene zur nächsten kommt die Höhe des verwendeten Tragbalkens, Rohres oder Profils hinzu.
| Planungsgröße | Beispielwert |
|---|---|
| Größter einzuplanender Raddurchmesser | 760 mm |
| Handling-Luft | 50 mm |
| Erforderliche lichte Fachhöhe | 810 mm |
| Beispielhafte Konstruktionshöhe des Tragbalkens | 80 mm |
| Erforderliche Ebenenteilung | 890 mm |
Die 80 Millimeter sind lediglich ein Rechenbeispiel. In einem konkreten Projekt ist die tatsächliche Profil- oder Rohrhöhe des gewählten Systems einzusetzen.
Raster oder stufenlose Einstellung: Was ändert sich?
Bei einem rastergebundenen System können Tragbalken nur in festgelegten Abständen eingesetzt werden.Liegt die rechnerisch erforderliche Position zwischen zwei Rasterpunkten, muss auf den nächsten geeigneten Punkt aufgerundet werden. Über mehrere Ebenen können sich diese kleinen Aufrundungen zu einer spürbaren zusätzlichen Regalhöhe summieren.
AHCON F1 ist ein Beispiel für ein System mit definierten Befestigungspositionen. Das erleichtert einen reproduzierbaren Aufbau, verlangt aber, dass die Fachhöhen mit dem verfügbaren Raster abgeglichen werden.
Bei einem stufenlos einstellbaren Klemmsystem wie dem BMT-Regalsystem können die Auflageebenen genauer an die benötigten Maße angepasst werden. Das kann besonders in Räumen mit begrenzter Höhe oder bei unterschiedlichen Durchmesserklassen vorteilhaft sein.
Stufenlos bedeutet jedoch nicht beliebig. Auch hier gelten die konstruktiven Vorgaben, die geprüfte Statik, die Montageanleitung und erforderliche Sicherheitsabstände. Die Einstellbarkeit ersetzt keine fachliche Planung.
Von der Fachhöhe zur gesamten Regalhöhe
Die nutzbare Zahl der Ebenen ergibt sich nicht, indem die Raumhöhe einfach durch den Raddurchmesser geteilt wird. Zur Gesamthöhe gehören:
- Bodenabstand beziehungsweise Höhe der untersten Auflage,
- lichte Höhe jeder Lagerebene,
- Konstruktionshöhe jedes Tragbalkens oder Auflagerohres,
- gegebenenfalls Rasterverluste,
- ausreichender Raum oberhalb der obersten Räder,
- Abstände zu Decke, Beleuchtung, Leitungen, Toren und anderen Einbauten,
- Sicherheits- und Brandschutzanforderungen,
- die tatsächlich erreichbare Hubhöhe des vorgesehenen Bediengeräts.
Vereinfacht gilt: Regalhöhe = unterer Aufbau + Summe aller lichten Fachhöhen + Summe der Konstruktionshöhen + oberer Freiraum.
Bei mehreren Ebenen lohnt sich eine saubere Maßkette. Fünf unnötige Zentimeter je Fach erscheinen einzeln wenig. Über sieben Ebenen können daraus 35 Zentimeter werden – möglicherweise genau der Unterschied zwischen einer zusätzlichen Ebene und einer ungenutzten Resthöhe. Umgekehrt darf diese Optimierung nicht dazu führen, dass Räder klemmen oder Mitarbeiter sie unter dem nächsten Balken hervorziehen müssen.
Nicht jedes Fach muss gleich hoch sein
Ein gemischter Räderbestand muss nicht zwangsläufig in ein einziges Höhenmaß gezwungen werden. Oft ist ein abgestuftes Konzept sinnvoller:
- kompaktere Fachhöhen für den häufigen Bestand,
- größere Fächer für SUV-, Transporter- oder andere großformatige Räder,
- ein klar definierter Reservebereich für seltene Ausreißer,
- ausreichend flexible Ebenen für künftige Veränderungen.
Damit die Zuordnung im Saisonbetrieb funktioniert, müssen Durchmesserklassen, Lagerplatzkennzeichnung und Lagerverwaltung zusammenpassen. Ein theoretisch optimiertes Höhenraster bringt wenig, wenn große Räder später ungeplant in zu kleine Fächer gelangen.
Die gleiche Bestandsanalyse unterstützt auch die horizontale Planung. Wie sich reale Reifenbreite, Handling-Luft und lichte Feldbreite auf die Kapazität auswirken, zeigen unsere Beiträge „Wie breit muss ein Regalfeld für Reifen und Räder sein?“ und „Wie viele Reifen passen wirklich in ein Regalfeld?“.
Bediengerät und Fachhöhe gemeinsam planen
Mit jeder zusätzlichen Ebene steigt die Bedeutung des Bediengeräts. Maßgeblich ist nicht nur die maximale Plattform- oder Gabelhöhe aus einem Prospekt, sondern die tatsächliche Übergabegeometrie:
- Welche Höhe erreicht die Auflage oder Übergabekante?
- Wie wird das Rad auf dieser Höhe geführt?
- Bleibt oberhalb des Rades genug Raum für die Bewegung?
- Passt das Gerät zur Gangbreite und zum Lagerprinzip?
- Können alle vorgesehenen Ebenen ergonomisch und sicher bedient werden?
Regal und Bediengerät bilden deshalb ein gemeinsames System. Erst die Regalhöhe festzulegen und anschließend nach einem passenden Gerät zu suchen, kann zu unnötigen Einschränkungen oder kostspieligen Änderungen führen.
Der tatsächliche Lagerbestand bleibt die wichtigste Grundlage
Markttrends helfen, eine Zukunftsreserve zu begründen. Sie sagen aber nicht, welche Fachhöhe ein bestimmter Betrieb benötigt. Ein Reifenservice mit hohem SUV-Anteil kann eine ganz andere Durchmesserverteilung besitzen als ein Autohaus mit einer homogenen Marken- und Modellstruktur. Auch Transporter, Elektrofahrzeuge, Sportmodelle oder regionale Kundenprofile verändern den Bestand.
- Aktuellen Sommer- und Winterbestand anonymisiert ausleiten,
- Außendurchmesser aus vollständigen Reifendimensionen berechnen,
- Rechenergebnis anhand realer Maße plausibilisieren,
- Häufigkeitsverteilung statt nur des Mittelwerts betrachten,
- einen eigenen Bereich für seltene Ausreißer prüfen,
- angemessene Handling- und Zukunftsreserve ergänzen,
- erst danach Ebenenteilung, Regalhöhe und Bediengerät festlegen.
Häufige Fehler bei der Planung der Fachhöhe
- Die Fachhöhe allein aus der Felgengröße ableiten.
- Felgendurchmesser und Außendurchmesser des vollständigen Rades verwechseln.
- Mit einem Durchschnittswert planen und große Ausreißer übersehen.
- Sommer- oder Winterbestand isoliert betrachten.
- Die Handling-Luft weglassen, weil das Rad rechnerisch bereits passt.
- Lichte Fachhöhe und Ebenenteilung gleichsetzen.
- Die Konstruktionshöhe der Tragbalken oder Rohre vergessen.
- Bei einem Rastersystem nicht auf den nächsten möglichen Befestigungspunkt aufrunden.
- Jede Ebene unnötig großzügig auslegen und dadurch eine mögliche Lagerebene verlieren.
- Regalhöhe und Hubhöhe des Bediengeräts getrennt voneinander festlegen.
- Einbauten, Brandschutz und oberen Sicherheitsraum erst nach der Regalplanung prüfen.
Checkliste vor der Festlegung
- Liegen vollständige Reifendimensionen des tatsächlichen Bestands vor?
- Sind Vorder- und Hinterachse sowie Sommer- und Winterräder getrennt erfasst?
- Wurden die Außendurchmesser berechnet und stichprobenartig geprüft?
- Ist die Häufigkeit der verschiedenen Durchmesserklassen bekannt?
- Sollen seltene große Räder einen eigenen Lagerbereich erhalten?
- Ist genügend Luft zum Ein- und Auslagern eingeplant?
- Ist die Konstruktionshöhe der Auflageebene berücksichtigt?
- Wurde das Verstellraster beziehungsweise die stufenlose Einstellung einbezogen?
- Passen Zahl und Höhe der Ebenen zum Bediengerät?
- Sind Decke, Leitungen, Beleuchtung, Tore und Sicherheitsabstände berücksichtigt?
- Bleibt eine nachvollziehbare Reserve für den künftigen Räderbestand?
Geeignete Systeme für die stehende Lagerung finden Sie in der Kategorie Reifen und Räder stehend lagern.
So hoch wie nötig – nicht so hoch wie möglich
Eine gute Fachhöhe hält die Balance: genug Bewegungsraum für große und schwere Räder, aber keine gedankenlos verschenkte Regalhöhe. Die Grundlage ist nicht die größte Felge im Verkaufsprospekt, sondern die Durchmesserverteilung im wirklichen Lagerbestand.
Kinesto wertet vorhandene Raddimensionen aus, bildet sinnvolle Durchmesserklassen und stimmt Fachhöhen, Verstellmöglichkeiten, Ebenenzahl und Bediengerät auf den konkreten Raum ab. So entsteht eine Anlage, die heute gut bedienbar bleibt und zugleich ausreichend Reserve für die weitere Entwicklung besitzt.
Quellen und Einordnung:
Marktentwicklung 2005–2019: Schweizer Forschungsbericht zur Entwicklung von Reifendimensionen in der Fahrzeug-Erstausrüstung. Entwicklung 2022–2025: TyreSystem Bevorratungsreport Sommerreifen 2026. Reifendimensionssystem: ADAC.
Die Marktwerte begründen eine Planungsreserve, ersetzen aber nicht die Auswertung des individuellen Lagerbestands. Die genannten 20 bis 50 Millimeter Handling-Luft sind ein Kinesto-Planungsansatz und keine allgemeingültige Norm.